Die Hexe
Die Hexe ist eine der markantesten Figuren im Perchtenbrauchtum. Anders als die wilden, tierischen Gestalten der Schiachperchten verkörpert die Hexe die menschliche Seite des Bösen. Sie ist die weise Frau, die Kräuterkundige, die Außenseiterin – und in den Rauhnächten die Gefährtin der Frau Perchta und ein fester Bestandteil der Perchtenpassen.
Ursprung und Symbolik
Das Bild der Hexe im Perchtenbrauchtum speist sich aus mehreren Quellen. Zum einen aus der vorchristlichen Vorstellung von weisen Frauen, die Zugang zu geheimen Kräften hatten. Zum anderen aus der christlichen Dämonisierung dieser Frauen während der Hexenverfolgungen der Frühen Neuzeit. Die Hexe der Perchtenläufe ist eine Mischung aus beiden Traditionen – sie ist die geheimnisvolle Gestalt, die zwischen den Welten wandelt.
In den Rauhnächten, wenn die Grenzen zwischen Diesseits und Jenseits durchlässig werden, hat die Hexe ihre stärkste Zeit. Sie reitet auf einem Besen durch die Nacht, braut Zaubertränke und beschwört die Geister. Im Perchtenbrauchtum ist sie jedoch weniger eine bösartige Gestalt als vielmehr ein Symbol für die wilden, ungezähmten Kräfte der Natur.
Aussehen und Darstellung
Die Hexe trägt meist zerlumpte, dunkle Kleidung, einen langen Rock und einen Umhang. Ihr Gesicht wird von einer Maske mit Hakennase, Warzen und wirrem Haar bedeckt. In der Hand hält sie einen Besen, einen Kochlöffel oder einen Kessel. Oft ist sie mit einem Buckel dargestellt und bewegt sich hinkend oder tanzend fort. Ihr Erscheinungsbild ist bewusst überzeichnet und karikaturhaft.
Anders als die Schiachperchten trägt die Hexe keine Hörner und keine Schellen. Ihre Ausstattung ist bescheidener, aber nicht weniger eindrucksvoll. Die Hexe interagiert stark mit dem Publikum, macht Scherze, droht mit dem Kochlöffel und spielt die Rolle der bösen Alten, die den Kindern Angst einjagt – aber immer mit einem Augenzwinkern. In manchen Darstellungen führt die Hexe auch einen kleinen Kessel mit, in dem sie angeblich Zaubertränke braut.
Rolle im Perchtenlauf
Die Hexe ist eine der vielseitigsten Figuren im Perchtenbrauchtum. Sie kann sowohl als Schreckgestalt als auch als humorvolle Figur auftreten. In den traditionellen Perchtenläufen ist sie oft die einzige weibliche Figur – oder zumindest die einzige, die explizit als weiblich erkennbar ist. Sie verkörpert die weibliche Seite des Wilden, die in der von Männern dominierten Perchentradition eine besondere Rolle spielt.
Bei den Black Demons in Ardagger ist die Hexe eine beliebte Figur, die das Spektrum der Perchten ergänzt. Sie erinnert daran, dass das Brauchtum nicht nur aus wilden, tierischen Gestalten besteht, sondern auch Platz für menschliche – und vor allem weibliche – Schreckfiguren hat. Die Hexe ist die unberechenbare, listige Gestalt, die zwischen den wilden Perchten und dem Publikum vermittelt.
