Die Habergoaß
Die Habergoaß (auch Habergeiß oder Habersack) ist eine der ältesten und bekanntesten Perchtenfiguren. Sie stellt eine geisterhafte Ziege dar und tritt traditionell als Einzelfigur oder in Begleitung von Perchtenpassen auf. Ihr Name leitet sich von Hafer und Geiß (Ziege) ab und verweist auf ihre Rolle als Fruchtbarkeitssymbol.
Ursprung und Bedeutung
Die Habergoaß ist eine mythische Mischgestalt, die Elemente von Ziege, Pferd und Drachen in sich vereint. Ihr Ursprung liegt im vorchristlichen Fruchtbarkeitskult. Als Geiß (Ziege) stand sie in Verbindung mit dem germanischen Gott Thor, dessen Wagen von Ziegenböcken gezogen wurde. Der Hafer im Namen deutet auf die Bedeutung der Habergoaß als Segensbringerin für die Ernte hin – wo sie erscheint, da gedeiht das Korn.
In der christlichen Zeit wurde die Habergoaß zunehmend dämonisiert. Sie galt als Schreckgestalt, die unartige Kinder holt oder ihnen den Bauch aufschlitzt, um ihn mit Stroh zu füllen – eine Strafe, die sie mit Frau Perchta teilt. Im Salzburger Land und in Oberösterreich ist sie bis heute eine feste Figur in den traditionellen Perchten- und Nikolausläufen.
Aussehen
Die Habergoaß wird von einem Mann dargestellt, der auf einem hölzernen Gestell eine Ziegenattrappe trägt. Das Gestell ist mit Fell und Hörnern verkleidet und wird von einer langen Stange gehalten. Die Schnappbewegung des hölzernen Ziegenmauls wird durch eine Schnur vom Träger ausgelöst. In manchen Darstellungen trägt die Habergoaß auch eine bleckende Maske und eine lange, rote Zunge.
Moderne Habergoass-Darstellungen bestehen oft aus einem hölzernen Ziegenkopf mit aufgerissenem Maul, klappbaren Kiefern und leuchtenden Augen. Der Körper ist mit Ziegenfell bedeckt. Das charakteristische Merkmal ist die weite Aufsperrbarkeit des Mauls, mit dem die Habergoaß nach den Zuschauern schnappt – besonders bei Kindern löst das gleichermaßen Schrecken und Vergnügen aus.
Rolle im Perchtenbrauchtum
Die Habergoaß ist eine der wenigen Perchtenfiguren, die sowohl in der Krampuszeit als auch in der Perchtenzeit auftreten kann. Anders als die Schiachperchten ist sie nicht an strikte Regeln gebunden. Sie treibt ihren Schabernack mit dem Publikum, schnappt nach den Zuschauern und sorgt für Lacher. In den traditionellen Stubenspielen des Salzkammerguts ist die Habergoaß eine unverzichtbare Figur, die zwischen den Akten für Unterhaltung sorgt.
Bei den Black Demons in Ardagger gehört die Habergoaß zu den beliebtesten Figuren. Sie verkörpert die verspielte Seite des Brauchtums und erinnert an die tiefe Verwurzelung des Perchtenwesens in bäuerlichen Fruchtbarkeitsriten. Die Habergoaß ist kein reiner Schrecken – sie ist ein Glücksbringer, dessen Ursprung weit in die vorchristliche Zeit zurückreicht.
