Der Percht
Der Percht ist eine der zentralen Gestalten des alpenländischen Winterbrauchtums. Anders als der Krampus, der ausschließlich in der Adventzeit rund um den Nikolaustag auftritt, sind die Perchten in den Rauhnächten zwischen Weihnachten und Dreikönig unterwegs. Die Tradition unterscheidet grundlegend zwischen den Schönperchten und den Schiachperchten.
Schönperchten
Die Schönperchten (auch Schoanperchten oder Schepperchten) erscheinen am Tag, meist am 6. Jänner oder in der Dreikönigsnacht. Sie sind prächtig geschmückt und tragen aufwändig verzierte, oft spiegelbesetzte Kopfbedeckungen, die als Kappe oder Haube gestaltet sind. Ihr Erscheinen bringt Glück und Segen für das neue Jahr. Die Schönperchten ziehen von Haus zu Haus, tanzen für die Bewohner und wünschen ihnen Wohlstand und Gesundheit.
Die Kopfbedeckungen der Schönperchten können mehrere Kilogramm wiegen und sind mit Spiegeln, Perlen, Federn und künstlichen Blumen verziert. Die Spiegel sollen böse Blicke abwehren und die Sonne spiegeln. Der Tanz der Schönperchten ist ein traditioneller Figurentanz, der oft über Generationen weitergegeben wird. Bekannte Schönperchtenläufe gibt es unter anderem im Pongau, im Pinzgau und im Salzkammergut.
Schiachperchten
Die Schiachperchten (von bairisch schiach = hässlich, scheußlich) sind das wilde, nächtliche Gegenstück zu den Schönperchten. Sie treten in den Nächten der Rauhnächte auf, meist in großen Gruppen und mit furchterregenden Masken. Ihre Gesichter sind verzerrte Fratzen mit weit aufgerissenen Mäulern, hervorquellenden Augen und mehreren Paar Hörnern – im Gegensatz zum Krampus, der stets nur ein Paar trägt.
Die Schiachperchten tragen keine Glocken, sondern Schellen – kleinere, heller klingende Metallrasseln, die an einem breiten Gürtel um die Hüfte befestigt sind. Sie führen Ketten mit sich, die sie durch die Luft schwingen und auf den Boden schlagen, um Lärm zu erzeugen. Anders als der Krampus trägt der Percht niemals eine Rute. Das Sprechen ist ihnen untersagt, solange sie die Maske tragen.
Verbindung zu Frau Perchta
Die Perchten stehen in enger Verbindung zur Sagengestalt der Frau Perchta, die während der Rauhnächte ihr Wesen treibt. Der Name Percht leitet sich von mittelhochdeutsch berchttac (Erscheinungsfest, Epiphanias) ab. Die Perchten waren ursprünglich die Begleiter der Frau Perchta, die in den zwölf Nächten zwischen Weihnachten und Dreikönig die Häuser kontrolliert. Die Schiachperchten ziehen durch die Nacht, um die Menschen an die Herrschaft der Frau Perchta zu erinnern.
Im Laufe der Zeit haben sich die Perchtenläufe von diesem mythologischen Hintergrund gelöst und sind zu einem eigenständigen Brauchtum geworden. Dennoch ist die Verbindung bis heute spürbar – vor allem in der strengen Trennung zwischen der Krampuszeit im Advent und der Perchtenzeit in den Rauhnächten.
